Interview mit Pastor Dalby

1000 Stiftungsneugründungen im Jahr
Alte Tradition neu entdeckt


 

Pastor Dalby, bitte stellen Sie sich kurz vor, was ist Ihre Aufgabe in der Landeskirche Hannovers?

Ich bin Pastor und Fundraiser und bin im Landeskirchenamt für die Bereiche Fund-Raising und Ehrenamt zuständig: also für Spenden, Stiftungen, Sponsoring und Erbschaften auf der einen und für die Gewinnung und Begleitung von Freiwilligen und Ehrenamtlichen auf der anderen Seite. In beiden Themenfeldern geht es um Material- und Medienerstellung, Aus-, Fort- und Weiterbildung, Beratung und Coaching von Kirchen- und Stiftungsvorständen, engagierten Ehren- und Hauptamtlichen.

 

Wir haben uns vor sechs Jahren auf einer Tagung zum Thema Kirchliche Stiftungen in der Akademie Loccum kennengelernt. Glauben Sie, dass die Initiative „Stiften ist menschlich“ ein Erfolg war?

Das glaube ich nicht nur, das weiß ich. Wir haben im Zuge der ersten Initiative 80 neue Stiftungen gegründet, dazu 80 Fördervereine- inzwischen sind es über 200 Stiftungen geworden. Wir haben eine alte Tradition wiederentdeckt und wieder belebt, zum großen Nutzen der Kirchengemeinden – denn 90% der Stiftungen arbeiten auf lokaler Ebene.

Die Bundesregierung beabsichtigt, das ehrenamtliche Engagement der Bürger, insbesondere auch die Unterstützung von Stiftungen durch Geld, steuerlich stärker zu fördern als in der Vergangenheit.

Hat dies auch Auswirkungen auf die Kirche?

Wir stehen vor einer zweiten Stiftungswelle – nachdem in den neunziger Jahren Jahren des vorigen Jahrhunderts die Gründungen auf ca. 800 pro Jahr stiegen, gehe ich davon aus, dass wir in den nächsten Jahren regelmäßig 1000, vielleicht sogar 1200 Stiftungsneugründungen pro Jahr erreichen werden. Der Staat fördert bewusst und klugerweise ehrenamtliches Engagement stärker als je zuvor, da die anstehenden demografischen Probleme nur durch verstärkte freiwillige Solidarität gemeistert werden können. Geld allein wird es allerdings nicht richten: es wird um ein neues Wertebewusstsein gehen, das über Elternhaus, Schulen und wertevermittelnde Träger wie Kirchen weitergegeben werden wird. Freiwilliges Geben, Schenken und Stiften ist unter theologischen Gesichtspunkten zu durchdenken – da stehen wir noch am Anfang.

 

Kirche ist 1800 Jahre lang allein durch Spenden und Stiftungen unterhalten worden, erst vor 150 Jahren wurde in Deutschland die Kirchensteuer eingeführt. Wenn das Aufkommen dieser Steuer weiterhin sinkt, kommen wir wieder zu alten Verhältnissen zurück?

Das glaube ich nicht. Was ich glaube: Fund-Raising wird neben die Kirchensteuer treten und als zweite Säule für verlässliche Finanzierung kirchlicher Arbeit sorgen.

Dieser Aspekt wird bleiben und durch die ihn bestimmende Denkweise: Spenden ist freiwillig! – auch zu einer veränderten Denk- und Arbeitsweise innerhalb der Kirche führen.

Pastor Dalby, ich danke für dieses Gespräch.