Das Uhrwerk

Des Uhrwerks neue Kleider

„Der Mensch besitzt nichts Wertvolleres als seine Zeit“, sagte vor vielen Jahren Ludwig van Beethoven. Richtig - und ICH zähle die Stunden. Mein Skelett ist aus Gusseisen, damit ich möglichst alle Schwingungen gut dämpfen kann. Meine Gelenke und Räder wurden aus einem speziellen Lagermessing hergestellt, damit sich meine Wellen frei von Schmiermitteln bewegen können. Denn Staub, der auf dem Fett haften bleibt, würde meinen Körper bald verschleißen lassen. Ich wurde vor 114 Jahren geboren. Seitdem zeige ich allen Leuten, die zu mir hinaufsehen, wie spät es ist.

Es ist eine wichtige Aufgabe in der heutigen termingetriebenen Welt. Jede Minute zählt! Darum muss ich immer sehr genau arbeiten. Jede falsche Anzeige nimmt man mir übel; und ich würde bald ausgetauscht werden gegen eine neue elektronische Maschine. Wöchentlich zweimal bekomme ich neue Kraft, d. h. meine Gewichte werden wieder nach oben gezogen. Die vielen Jahre wohnte ich in einem Verschlag im Kirchturm der St. Ludgeri-Kirche in Ehmen. Vor einem halben Jahr hat sich nun Herr König von der Fa. Glasbau König bereit erklärt, Fenster zu spenden! Günther Franzkowiak und Karl Nachbar vom Männerkreis bereiteten alles vor für das neue Kleid: Sie verlegten die Betätigung der großen Glocke, schnitten aus den Holzwänden die Öffnungen für die Scheiben aus, fertigten rechtwinklige Rahmen an und putzten mich von oben bis unten. Endlich wurden die Scheiben geliefert und von Fa. König eingesetzt. Jetzt kann mich jeder in meiner ganzen Pracht von außen betrachten! Danke Herr König!

Jetzt werde ich mich besonders bemühen, noch viele Jahre für alle die richtige Zeit anzuzeigen.

Gerald Schaebs (für die Uhr, die selber nicht tippen konnte)