Ludgeri von hinten Frühling

Ein Jahr Corona - Statements von Jugendlichen

01. Juli 2021

Was bedeutet „ein Jahr Corona“ für 8, 17 oder 60 Lebensjahre!?

In Relation zu ihrer gesamten Lebenszeit haben Kinder und Jugendliche mit der nun schon über ein Jahr andauernden Zeit der Pandemie sehr viel mehr Lebenszeit „mit Corona“ verbracht als Menschen, die 44, 58 oder 77 Jahre alt sind. Ein Jahr Pandemie wiegt bei einem Lebensalter von 14 Jahren viel schwerer als bei einer Lebenserfahrung von 54 Jahren. Welche gesellschaftlichen Gruppen in der Pandemie besonders gelitten haben, wurde in der Presse aus unterschiedlichen Blickwinkeln dargestellt.
Wer in dieser Zeit ein Haus mit Garten bewohnt, kann sich glücklich schätzen. Sicher wird es auch einige Dinge geben, die als positiv zu benennen und „nach Corona“ (wann wird das sein?) beizubehalten sind: So z.B. wird es an einigen Stellen praktisch und sinnvoll sein, weiterhin Videokonferenzen zu führen. Auch sind zu einigen Zeiten und unter bestimmten Voraussetzungen Familien „enger zusammengerückt“ und familiärer Zusammenhalt (sich gegenseitig Mut machen „Wir schaffen das!“, unbeschwerte Zeit beim miteinander spielen und gemeinsame Zeit draußen als Familie zu verbringen usw.) ist als Wert an sich und stabilisierender Faktor für Menschen grundsätzlich und für Kinder und Jugendliche im speziellen noch einmal deutlich geworden. Und unter bestimmten Bedingungen ist Krise auch immer Chance zur Veränderung und zum Wachstum. Das stimmt alles.

Aber es stimmt auch, dass auch bei stabilem familiären Hintergrund das lange Zuhausebleiben und „online“-Leben mit kaum „schönen“ Freizeit-Terminen zum Ausgleich und zur Entspannung, Kindern und Jugendlichen (und damit auch deren Eltern) „an die Nieren ging“: Kein Einsatz als ehrenamtlich Mitarbeitender in St. Ludgeri, bei den Pfadfindern oder dem Jugendrotkreuz – keine Teilnahme an ebendiesen Gruppen als Kind oder Jugendlicher – kein Austoben mit Freunden beim Sport – keine Fahrschule – kein Musikunterricht – nicht die Freunde in der Schule sehen (im schlimmsten Fall sogar in der  gegengleichen Unterrichtsgruppe mit dem Freund/ der Freundin sein).
Kaum Termine, die Spaß machen – wo sich Kinder und Jugendliche begegnen können – wo sie sich ehrenamtlich für die Gesellschaft/andere Menschen einsetzen – wo man einfach „Mensch sein kann“. Alles das nicht zu haben kann für eine Achtjährige oder einen Siebzehnjährigen viel belastender sein als bei einem deutlich älteren Menschen. Vermutlich werden wir auch nicht „so einfach aus Corona wieder herauskommen“, wie wir hineingeschliddert sind. Corona hat Lebensentwürfe und Lebensläufe verändert. Das sieht man sehr deutlich, wenn man Jugendliche fragt, wie sie „ein Jahr Corona“ erlebt haben.
Jugendliche aus unserer Gemeinde haben sich bereit erklärt, anonym einen persönlichen Bericht zu schreiben über ihre Coronazeit, den wir nur mit ihrer Altersangabe veröffentlichen werden.

Entstanden sind neun Berichte von 15- bis 20jährigen Menschen, die wir an dieser Stelle nur mit den jeweils ersten Sätzen ihres persönlichen Berichtes veröffentlichen, um Sie als Lesende neugierig zu machen. Die eigentlichen Texte sind alle viel länger und werden zum Teil am 11.07. im Picknickgottesdienst vorkommen und danach werden sie auch noch hier nachzulesen sein.

DANKE an alle neun Jugendlichen, die uns so an ihren Gedanken und Erfahrungen eines Jahres ihres Lebens teilhaben lassen!
Angelika Behling

„Corona hat viel sehr stark eingeschränkt, gerade den persönlichen Kontakt zu Freunden hat mir sehr gefehlt, das Nebeneinandersitzen. Aber auch die ständige Ungewissheit war bzw. ist schwer…

(15 Jahre)

„Corona, Corona, Corona. Tag ein Tag aus wird im Fernsehen, Radio oder in Zeitungen größtenteils nur noch von Corona berichtet. Man kann diesem Virus schlichtweg nicht entgehen. Im Alltag wird man immer wieder mit Begriffen wie Inzidenzwerte, Mutationen, Masken und social distancing konfrontiert…

(19 Jahre)

„Wenn man sagen würde, das vergangene Jahr in der Corona Zeit hätte nichts Gutes gebracht, kann ich da nicht so ganz mitgehen. Natürlich war es vorerst eine riesen Umstellung von der vollbesetzten Klasse nun Zuhause zu bleiben und auf einen selbst vorerst angewiesen zu sein…

(17 Jahre)

„Die ersten 4 Monate von Corona waren für mich unerwartet entspannt. Keine Schule, kein Sport im Verein, keine Freunde treffen. Ich konnte total sorglos von einem Tag auf den nächsten Leben und einfach ohne Plan mir morgens überlegen, was ich an dem Tag tun möchte…

(16 Jahre)

"Die goldenen Zwanziger!" Das hatte die Naturwissenschaftslehrerin meiner Schwestern kurz vor Ende 2019 zur Klasse gesagt. Meine Güte, wie sehr haben wir uns alle gewünscht, dass 2019 endlich vorüber wäre, voller Vorfreude auf das, was das nächste Jahrzehnt über uns bringen würde. Und meine Güte, waren wir naiv, als kurz nach dem Ausbruch des neuen Covid-19-Virus in China alle sicher waren, dass es bei uns nicht ankommen würde…

(17 Jahre)

„Puh, wo soll ich eigentlich anfangen? Corona... Meine allerletzte Schulzeit brach an und ich freute mich auf die lang ersehnten spaßigen Dinge nach 13 Jahren Schule. Mottowoche, Abistreich, Abiball und jede Menge ausgelassene Zeit mit meinen Klassenkameraden stand bevor...

(20 Jahre)

„Für mich war die Corona-Zeit bisher sehr unterschiedlich. Ich habe trotz der ganzen Einschränkungen viele tolle Momente erlebt wie z.B. meine Konfirmation im letzten Jahr. Sie wurde von Mai auf September verschoben. Zuerst war ich ziemlich enttäuscht, aber am Ende war sie schöner, als ich sie mir gewünscht hatte…

(15 Jahre)

Als im Frühjahr 2020 der erste Lockdown und damit die erste Schließung der Schulen angekündigt wurden, freute ich mich zuerst; wie vermutlich der Großteil der jungen Leute und SchülerInnen. Doch schon bald bemerkte ich, dass es mit meiner mentalen Verfassung den Bach hinunterlief…

(16 Jahre)

„Natürlich könnte ich mir viele andere Möglichkeiten vorstellen, meine Jugend zu verbringen, als zu Hause festzusitzen. Man vermisst es einfach, jeden Tag zur Schule zu gehen, sich mit Freunden zu treffen und shoppen oder ins Kino zu gehen...

(15 Jahre)