Ludgeri von hinten Frühling

Ein Jahr Corona - die kompletten Texte

13. Juli 2021

Statement von Teamern & Teamerinnen: „Wie habe ich Corona bis jetzt erlebt?!“ (Juni 2021)

„Corona hat viel sehr stark eingeschränkt, gerade den persönlichen Kontakt zu Freunden hat mir sehr gefehlt, das Nebeneinandersitzen. Aber auch die ständige Ungewissheit war bzw. ist schwer. Wie geht es mit der Schule weiter? Wann kann ich wieder zu meinen Großeltern? Wann bin ich dran mit der Impfung? Aber auch die vielen Regeln und Vorschriften verbreiten in mir Angst, gerade in Hinsicht auf die Zeit danach, wird es wieder möglich sein so Zeit zu verbringen wie vor Corona?“ (15 Jahre)

„Corona, Corona, Corona. Tag ein Tag aus wird im Fernsehen, Radio oder in Zeitungen größtenteils nur noch von Corona berichtet. Man kann diesem Virus schlichtweg nicht entgehen. Im Alltag wird man immer wieder mit Begriffen wie Inzidenzwerte, Mutationen, Masken und social distancing konfrontiert. Aber wann hat das alles mal ein Ende? Als das Virus zum ersten Mal in Deutschland auftrat, war ich der festen Überzeugung, dass es bei ein paar wenigen Fällen bleiben wird und dass dieses Virus unseren Alltag nicht weiter einschränkt. Ich sollte wohl falsch liegen. Im März 2020 war ich seit 7 Monaten endlich 18. Ich weiß noch genau, wie ich jahrelang auf meinen achtzehnten Geburtstag hingefiebert hatte. Heute blicke ich auf diese sieben Monate zurück und kann sagen, dass diese Zeit wirklich eine der schönsten in meinem bisherigen Leben gewesen ist. Ich habe so viele neue Erfahrungen machen können und bin dafür sehr dankbar. Man könnte es auch als eine Art Höhenflug beschreiben, bis Corona mich plötzlich auf den Boden der Tatsachen zurückzog. Als plötzlich Bars und Clubs zu machen mussten, hätte ich nicht gedacht, dass der Einzelhandel sowie die Restaurants auch von solchen Schließungen betroffen sein würden. Innerhalb weniger Tage sprach man dann auch schon von einem kompletten LOCKDOWN. Für mich hat sich das alles sehr surreal angefühlt und ich konnte nicht verstehen, wie man die Wirtschaft so herunterfahren konnte. Das ging mir schlichtweg alles viel zu schnell. Besonders in der Anfangszeit ging es mir nicht wirklich gut, da ich nicht wusste, wie es nun weitergehen soll. Nun werde ich bald schon 20 Jahre alt und habe mein Abitur, trotz der schwierigen Zeit so gut wie in der Tasche, doch noch immer nehme ich die aktuelle Situation als sehr belastend wahr. Immer wieder kommt in mir das Gefühl hoch, dass besonders uns jungen Menschen einer unserer wichtigsten und prägendsten Lebensabschnitte genommen wurden sind. Diese Zeit lässt sich leider schlichtweg nicht mehr nachholen.“  (19 Jahre)

„Wenn man sagen würde, das vergangene Jahr in der Corona Zeit hätte nichts Gutes gebracht, kann ich da nicht so ganz mitgehen. Natürlich war es vorerst eine riesen Umstellung von der Vollbesetzten Klasse nun Zuhause zu bleiben und auf einen selbst vorerst angewiesen zu sein. Anfang der Corona Pandemie waren die Lehrer und die Schulen lange noch nicht so weit die Schüler von zuhause zu Unterrichten. Aber irgendwie ging es auch. Ich für meinen Teil dachte mir in der ersten Zeit der Pandemie lange noch, „Ach, so lang wird das schon nicht bleiben. In paar Wochen ist alles wieder normal.“ Zu dem Zeitpunkt habe ich auch noch gedacht ich könnte normal meine Prüfungen schreiben und alles drum herum. Ganz das was ich mir da noch vorgestellt habe konnte sich leider nicht ganz so erfüllen. Zum einen auch meine Abschlussfeier. Ich war echt froh darüber als meine Eltern meinten, in einem kleinen Kreis darf ich wenigstens ein bisschen Feiern. Insgesamt bin ich aber sehr froh drüber meine Eltern jetzt in der Zeit an meiner Seite zu haben. Sie haben mich in dem letzten Jahr immer so gut wie möglich unterstützt, haben mir Mut gemacht, wenn ich nicht mehr weiter wusste, sie haben mir Freiheiten gelassen und gewollt, dass ich meine Jugend ein bisschen wenigstens genießen kann. Aber das Wichtigste mit was sie gemacht haben ist, dass sie kein Stress auf mich gewirkt haben. Nicht vor meinen Prüfungen und auch nicht, als ich in die Oberstufe kam. Sie haben mich machen lassen, wodurch ich ein riesen Stück an Selbstständigkeit und Ordnung in der Schulwelt erlernt habe. Seit Weihnachten haben wir Schüler uns alle im Home-schooling befunden. Ich bin in der Zeit erstaunlich gut klar gekommen und habe mich sogar in vielen Fächern verbessert. Man muss dazu sagen, ich bin jemand, der nicht grade viel im Unterricht spricht, dementsprechend ist/war auch meine mündliche Note. Doch durch das Lernen Zuhause konnte ich mir meinen Plan so gestalten wie ich möchte und zudem habe ich um einiges öfters den Mut gefunden etwas zu sagen. Somit haben sich meine Noten eher verbessert. Deswegen fand ich das Home-schooling echt nicht schlecht und hätte mir gewünscht es wäre noch bis Ende des Schuljahres gewesen. Aber dem ist leider nicht so. Der präsente Unterricht ist aber auch nicht schlecht, wenigstens sieht man so seine Freunde mal wieder ein bisschen häufiger als davor. Man sieht seine Freunde echt selten. Das ist wirklich der Punkt, der am schlimmsten ist an Corona. Grade als alles los ging hatte man gar keinen von denen. Ich weiß noch genau, den Samstag bevor alle Geschäfte geschlossen haben, wollte ich mich eigentlich noch mit Freunden in der Stadt treffe. Daraus wurde dann leider auch nichts mehr. Aber trotz allem hab ich es geschafft in der Corona Zeit neue Freunde zu finden, die auch weiterhin zu meinen engsten Freunden mit geworden sind. Es sind im vergangenen Jahr auch viele Freundschaften in die Brüche gegangen, weil man sich einfach ich nicht so häufig gesehen hat wie zuvor. Und so zog sich das Jahr 2020 und bisher auch 2021 hin. Wenigstens ist das Impfen jetzt so langsam in die Gänge gekommen und auch Jugendliche können sich impfen lassen, was ein großer Schritt nach vorne ist. :)“ (17 Jahre)

„Die ersten 4 Monate von Corona waren für mich unerwartet entspannt. Keine Schule, kein Sport im Verein, keine Freunde treffen. Ich konnte total sorglos von einem Tag auf den nächsten Leben und einfach ohne Plan mir morgens überlegen, was ich an dem Tag tun möchte. Meistens bin ich einfach irgendwo mit dem Rad hingefahren und habe die Einsamkeit genossen. In dieser Zeit habe ich mich selbst besser kennenlernen können. Als es dann wieder mit der Schule losging habe ich so gut wie möglich diese Freiheit weiter ausgelebt. Ich habe zwar alle Aufgaben Zuhause bearbeitet, aber die Schule ohne die Klausuren und Tests weniger ernst genommen. Über den Sommer 2020 hinweg habe ich so gut wie möglich versucht, mir diese Einsamkeit, mit dem Fahrrad irgendwo hin fahren und von Tag zu Tag leben, zu erhalten. Das hat dann mit Beginn des neuen Schuljahres nicht mehr so gut funktioniert. Das vorher so entspannte
"Homeschooling" wurde anspruchsvoller und das Leben strukturierter. Mein sonst leerer Terminkalender wurde vom einen auf den anderen Tag mit Terminen, Abgabefristen und Meetings gefüllt. Da in der 2 Hälfte des Jahres 2020 noch ziemlich viel Unterricht in Präsenz in der Schule stattgefunden hat, wurden auch wieder erste Klausuren geschrieben und alle ging auf einen "Normalzustand" zu. Alles wurde stressiger, aber der Präsenzunterricht hat eine Struktur vorgegeben, an der ich mich orientieren konnte. Mit dem Ausfall des Präsenzunterrichts am Anfang von 2021 musste ich mir diese Struktur, das strukturierte Arbeiten mit den Schulaufgaben, das Teilnehmen an Konferenzen etc. alles selber einteilen
und über den Tag verteilen. Diese Zeit hat mich vieles in Sachen der Selbststrukturierung, Zeitmanagement und Vorausplanung gelehrt. Ich habe meine Wochen durchgeplant, wie ein Kino sein Kinoprogramm. In gewisser Weise hilft es mir, mit meinen Aufgaben klar zu kommen und nicht den Überblick zu verlieren, aber auf der anderen Seite habe ich dieses einfach mal drauf los fahren so ganz ohne Plan, was ich noch am Anfang so gerne gemacht habe, so gut wie verloren. Dieser erholsame Zustand der Gewissheit, dass ich wirklich keine Aufgaben, keine Pflichten, keine Vorgaben, keine Termine und keine Veranstaltungen, sondern nur die Spontanität des Lebens, habe, fehlt mir inzwischen sehr. Für mich persönlich habe ich das Gefühl, ich bin während Corona einfach zu schnell erwachsen geworden.“ (16 Jahre)

"Die goldenen Zwanziger!" Das hatte die Naturwissenschaftslehrerin meiner Schwestern kurz vor Ende 2019 zur Klasse gesagt. Meine Güte, wie sehr haben wir uns alle gewünscht, dass 2019 endlich vorüber wäre, voller Vorfreude auf das, was das nächste Jahrzehnt über uns bringen würde. Und meine Güte, waren wir naiv, als kurz nach dem Ausbruch des neuen Covid-19-Virus in China alle sicher waren, dass es bei uns nicht ankommen würde. Nun, im März 2020 wussten wir es besser. Ich erinnere mich, wie die Lehrer sagten, dass wir eine Weile zu Hause bleiben müssten, und die meisten Kinder freuten sich aufrichtig über die Aussicht, drei oder vielleicht vier Wochen lang nicht zur Schule gehen zu müssen. Und dann kamen die Masken und die Kontaktbeschränkungen, und auf einmal machte es keinen Spaß mehr, zu Hause zu sein. Und aus den drei Wochen wurden zwei Monate. Zwei Monate, in denen wir uns selbst auf unsere Abschlussprüfungen vorbereiten mussten, ohne eine Ahnung zu haben, was auf uns zukommen würde. Zwei Monate, in denen wir darauf warteten, dass die Zahlen sinken und alles wieder normal werden würde. Zwei Monate, in denen wir Bilder von Armeelastwagen in Italien sahen, die mitten in der Nacht Leichen wegbrachten. Bilder von Massengräbern auf Long Island, Menschen auf der Intensivstation, Menschen, die hart arbeiteten, um das System am Laufen zu halten. Immer, wenn ich diese Bilder sah, fühlte ich mich hilflos. Jeder schien etwas Sinnvolles zu tun und ich saß nur in meinem Zimmer. Weil wir uns auf unsere Abschlussprüfungen vorbereiten mussten, bekamen wir nicht wirklich Hausaufgaben und so war ich unglaublich gelangweilt. Normalerweise bin ich gut darin, mich zu beschäftigen, und in den ersten Tagen der Pandemie tat ich genau das. Stundenlang bastelte ich Osterkarten für alle meine Verwandten und engen Freunde, entrümpelte meinen Schreibtisch und meine Schubladen, nähte Masken, und schaute dabei Serien, war ständig am Backen oder zeichnete einfach. Viel Zeit verbrachte ich mit Lesen. Es war ein ziemlich guter Weg, um mich von den Dingen abzulenken, die vor sich gingen, aber selbst das alles konnte mich nicht ewig unterhalten. Womit ich am meisten zu kämpfen hatte, war ein Mangel an Routine und Planung. Es war unmöglich, etwas anderes als die nächsten ein oder zwei Tage zu planen, da sich die Dinge ständig änderten, was mich völlig verrückt machte. Im Sommer schien es, als würde es besser werden, als wäre die Pandemie fast vorbei. Alle fuhren in den Urlaub und ließen uns fast vergessen, dass das Virus noch da war. Aber zu Beginn des neuen Schuljahres wurde es wieder schlimmer. Mein Austausch in Mexiko wurde abgesagt und wir mussten im Unterricht Masken tragen. Mir wurde erst so richtig klar, was los war, als man uns mitteilte, dass wir über Weihnachten wieder in einen Lockdown gehen würden. Keine Schule, kein Last-Minute-Geschenke-Shopping und Plätzchenbacken mit Freunden, kein Krippenspiel, das meiste von dem, was Weihnachten so besonders macht, war weg. Wenigstens konnten meine Großeltern zu Besuch kommen, ich weiß nicht, wie Weihnachten ohne sie gewesen wäre. Und dann haben alle hoffnungsvoll auf das 2021 gewartet, damit das alles endlich ein Ende hat. Und 2021 kam -aber das Ende? Wochen über Wochen des Homeschoolings türmten sich zu insgesamt drei Monaten, in denen wir kaum den Schreibtisch verließen, ständig auf Bildschirme starrten und versuchten, uns zu motivieren, um die horrenden Mengen an Aufgaben zu bewältigen. Kurz vor Ende der Osterferien habe ich sie einmal gezählt, und es waren insgesamt über 100 Aufgaben von Januar bis März, die Videokonferenzen nicht mitgezählt. In der Woche vor Ostern wurde ich dann 17 Jahre alt, mein zweiter Corona-Geburtstag, diesmal immerhin mit meinen Großeltern. Vorher habe ich mich selten um Geburtstage gekümmert, und natürlich ist 16 oder 17 nicht so wichtig wie 18, aber es ging mir trotzdem auf die Nerven, dass ich diesen Tag nicht wie sonst genießen konnte. Und nach den Osterferien ging es einfach so weiter wie vorher, ohne dass ein Ende in Sicht war. Irgendwann fingen wir dann an, jeden zweiten Tag in die Schule zu gehen, immer nur eine Hälfte der Klasse. Es war zwar schön, aber trotzdem fehlte etwas. Jetzt geht es wieder in den normalen Schulbetrieb, zum ersten Mal in diesem Jahr sehe ich den Rest meiner Klassenkameraden. Corona hat es uns allen wirklich schwer gemacht, und ich weiß, dass andere viel schlimmer gelitten haben als wir, aber das heißt nicht, dass man das Gefühl haben sollte, seine Probleme seien nichtig oder dumm. Immerhin haben wir einen großen Teil unserer Schulbildung und unseres Erwachsenwerdens verpasst. Kein Abschlussball, keine Klassenfahrten, keine Praktika, keine Geburtstagsfeiern, keine Zeit im Ausland, keine Reisen, keine Filmabende und Übernachtungen. Aber auf der anderen Seite hat Corona uns auch viel beigebracht. Wir mussten selbst Verantwortung übernehmen, uns organisieren und motivieren. Wir mussten uns Zeit geben, um alles und jeden zu hassen, nur um es dann runterzuschlucken, um weiterzumachen. Wir haben viel gelernt, nicht nur Mathe und Chemie und Deutsch. Wir haben gelernt, mit der Welt und mit uns selbst geduldig zu sein, wir haben gelernt, uns selbst zu vertrauen. Und wir haben gelernt, weiterzumachen, auch wenn sich monatelang scheinbar nichts änderte. Wir haben alle auf unsere eigene Weise gekämpft, aber wir sind auch gewachsen. Wie oft lag man morgens oder auch schon mittags im Bett und hat sich gefragt: „wieso überhaupt aufstehen?“ Aber trotzdem stand man auf. Wie oft hat man sich auf etwas gefreut, nur um dann wieder enttäuscht zu werden? Aber man hat trotzdem weitergemacht. Lasst euch von niemandem sagen, ihr hättet nichts Nützliches getan. Denn das stimmt nicht, wir haben etwas Nützliches getan: Wir haben uns mit der Situation auseinandergesetzt, wir sind mit all diesen Emotionen und Problemen und Schwierigkeiten zurechtgekommen, doch wir haben uns von ihnen nicht unterkriegen lassen. Wir haben weitergemacht und sind auf eine andere Weise erwachsen geworden als die Generationen vor uns. Ich hoffe, dass die Erwachsenen das sehen und dass sie anerkennen, dass wir erwachsen geworden sind. Nicht, weil wir zur Schule gegangen sind oder unseren Abschluss oder unseren Führerschein gemacht haben oder 18 geworden sind. Wir sind erwachsen geworden, weil wir es mussten, aber auch weil wir es wollten. Um mit dieser Situation umzugehen, sind wir erwachsen geworden, früher und schneller als wir alle gehofft hatten, oft ohne wichtige Erlebnisse des Erwachsenwerdens, aber wir haben es trotzdem getan. Ich hoffe, dass ihr uns in Zukunft nicht verurteilt, weil wir in diesen langen Wochen viele Stunden Bildschirmzeit hatten. Ich hoffe, ihr werdet uns nicht verurteilen, weil wir mindestens 1/3 des Schuljahres verpasst haben. Ich hoffe, ihr werdet uns nicht nach den Parametern beurteilen, nach denen eure Generation beurteilt wurde, denn die lassen sich nicht auf diese Situation anwenden. Aber das Wichtigste: Nehmt euch einen Moment Zeit, um auch an uns zu denken. Wir haben Teile unserer Kindheit geopfert, um andere zu schützen, und ich denke, es ist an der Zeit, dass wir dafür Anerkennung bekommen, und sei es nur ein freundliches Wort der Ermutigung hier oder dort. Wir haben das alle zusammen durchgestanden, also vergesst bitte nicht, dass wir auch unseren Teil dazu beigetragen haben.“  (17 Jahre)

„Puh, wo soll ich eigentlich anfangen? Corona... Meine allerletzte Schulzeit brach an und ich freute mich auf die lang ersehnten spaßigen Dinge nach 13 Jahren Schule. Mottowoche, Abistreich, Abiball und jede Menge ausgelassene Zeit mit meinen Klassenkameraden stand bevor. Als die Nachricht kam, dass wir eine Woche freigestellt werden, wegen irgendeinem Virus aus China, haben wir uns erstmal ordentlich über diese kleine Auszeit gefreut und nichts weiter gedacht.
Nach anfänglicher Freude der ausfallenden Schule, wurde der Frust größer und die Angst vor den anstehenden Abiturprüfungen stieg stetig. Schaffe ich das? Werde ich die Prüfungen überhaupt meistern können? Nach diesem ganzen Frust, war die Freude riesig, die Schulzeit erfolgreich abgeschlossen zu haben und der Sommer mit all seinen entspannten Seeausflügen lag vor meinen Freunden und mir. In Sachen Zukunft hatte ich einen genauen Plan. Ich wollte mithilfe einer Organisation ein Jahr in Südafrika leben und vor Ort in der Entwicklungshilfe tätig sein, anschließend studieren. Leider Ende Juli dann die erschütternde Nachricht. Der bereits verschobene Abflug von Oktober 2020 wurde auf Februar 2021 verlegt, in der Hoffnung, dass dort die bereits stehengebliebene Welt sich wieder weiterdrehen würde. Was sollte ich jetzt machen? Viele Nachfragen haben mich innerlich verrückt gemacht und schlaflose Nächte waren vorprogrammiert. Was soll ich jetzt machen? Online Studieren? Ausbildung? FSJ? Jeder hat mir etwas anderes empfohlen. Ende Juli/Anfang August habe ich mich also querbeet auf Ausbildungen und Studiengänge beworben, doch viele Fristen waren logischerweise schon längst abgelaufen.
Nach gefühlt ewigem Warten, habe ich dann endlich eine Zusage für eine Ausbildung noch zum Start im Oktober 2020 bekommen. Ich habe mich riesig gefreut. Es ging also wieder bergauf für mein Ich. Ein Umzug stand an und ein Start in einer neuen, fremden Stadt, in der ich niemanden kannte. Wie soll ich überhaupt Freunde finden in Zeiten einer Pandemie? Durch unglaublich viel Glück habe ich ein Zimmer in einem Wohnheim bekommen und dort direkt Anschluss gefunden. Doch ehrlich gesagt ist es noch immer sehr schwer außerhalb dieser „Blase“ neue Leute kennenzulernen.  Ich konnte weder in einen neuen Sportverein eintreten, noch die Stadt mit potentiellen neuen Freunden erkunden. Ich musste auf vieles was „normal“ gewesen wäre, verzichten. Doch seitdem die Inzidenzen langsam sinken, öffnet sich die Stadt und ich lerne mein neues Zuhause endlich richtig kennen. Es ist ungewohnt und ich habe oft das Gefühl, dass diese Stadt, die ich 6 Monate lang im Lockdown kennengelernt habe, nicht mehr existiert. In meinem Gefühl bin ich also vor paar Wochen erneut umgezogen, in eine Stadt in der nicht nur Spiele-, Koch- oder Umtrunkabende in den eigenen vier Wänden stattfinden, sondern in der sich Gruppen ausgelassen am Kanal treffen können, die Eisdielen aus allen Nähten platzen und das Kneipenviertel an keinem Abend der Woche geschlossen ist und ich mag es sehr. Wer hätte gedacht, dass allein das Sitzen mit unterschiedlichen Haushalten in einer Kneipe einem so viel Freude bereiten kann? Abschließend kann ich sagen, dass „die Corona-Zeit“ mich persönlich psychisch belastet hat und mich ehrlich gesagt zwischendurch nur noch angekotzt und genervt hat. Ich bin sehr froh, dass ich trotz dieser Pandemie neue Freunde, eine neue Stadt und einen neuen Plan für meine Zukunft gefunden habe.“  (20 Jahre)

„Für mich war die Corona-Zeit bisher sehr unterschiedlich. Ich habe trotz der ganzen Einschränkungen viele tolle Momente erlebt wie z.B. meine Konfirmation im letzten Jahr. Sie wurde von Mai auf September verschoben. Zuerst war ich ziemlich enttäuscht, aber am Ende war sie schöner, als ich sie mir gewünscht hatte. Ich konnte fast mit meiner ganzen Familie feiern und das Wetter war unglaublich. Auch der Gottesdienst, der draußen in der strahlenden Sonne und unter dem freien Himmel stattfand, war wunderschön.

Es hat sich aber auch einiges geändert. Mein Freundeskreis ist kleiner geworden. Dadurch, dass man sich nicht mehr regelmäßig gesehen hat, ist der Kontakt zu einigen fast komplett abgebrochen. Dafür bin ich aber mit meinen Freunden, mit denen ich durchgehend Kontakt halten konnte (auch wenn größtenteils anfangs nur über Skype, WhatsApp, Facetime etc.), deutlich enger zusammengerückt. Ich würde sagen, dass die einzelnen teilweise schockierenden und doofen Situationen, die wir zusammen während der Corona-Zeit erlebten, uns sehr zusammengeschweißt haben. Ich habe aber seit dem Beginn der Pandemie auch neue Freunde gefunden und wieder mehr Kontakt zu Menschen, die ich vorher zwischen den vielen verschiedenen Terminen völlig aus den Augen verloren hatte.

Für mich war es manchmal nicht leicht, zu sagen, nein ich komme nicht mit, nein ich bleibe zu Hause, wenn sich meine Freunde zu zehnt oder mehr getroffen haben und ich dann eine der Wenigen war, die nicht dabei waren.

Ich denke aber, dass ich an diesen Erfahrungen gewachsen bin und dass ich besser gelernt habe, auch die vermeintlich kleinen Dinge wirklich wertzuschätzen. Ich erlebe die Dinge mittlerweile mit ganz anderen Augen. Was früher eine schöne Familienfeier war, jedoch inmitten der Tausenden Terminen eher als ein weiterer stressiger Termin unterging, ist mittlerweile ein richtiges Highlight, auf das ich mich tagelang freue und wo ich einfach jeden Moment genieße. Genau dieses Gefühl möchte ich, auch wenn alles wieder normal wird, unbedingt behalten.“  (15 Jahre)

Als im Frühjahr 2020 der erste Lockdown und damit die erste Schließung der Schulen angekündigt wurden, freute ich mich zuerst; wie vermutlich der Großteil der jungen Leute und SchülerInnen. Doch schon bald bemerkte ich, dass es mit meiner mentalen Verfassung den Bach hinunterlief. Die Neuheit der Situation, das ständige zuhause-sitzen, niemanden treffen dürfen, damit musste ich erst einmal zurechtkommen. Der startende Online-Unterricht reichte als Ablenkung nicht aus, um von meinen sich häufenden negativen Gedanken loszukommen. Auch als ich meine neue Leidenschaft im Sport fand, füllte sich neben schulischen Aktivitäten nur ein kleiner Teil des Tages. Auch das Reiseverbot im Sommer trug nicht zur Besserung bei; man war gezwungen noch mehr Zeit im eigenen Heim zu verbringen.

So vergingen Monate; irgendwann begann wieder der Präsenz-, bzw. Wechselunterricht, doch ansonsten vertrieb ich mir die Zeit mit sozialen Medien, Sport und negativen Denken.

Und als Herbst und dann Winter begannen, wurde es nicht unbedingt besser: der zweite und dritte Lockdown kamen, doch mittlerweile war ich in der Lage, mich davon zu überzeugen, dass die ganze Zeit zuhause einen Sinn hat und nicht bloß vergeudet ist. Ich versuchte dem neuen Jahr mit Hoffnung entgegenzublicken; es konnte doch nur besser werden.

Tatsächlich fand ich meinen „Lebenssinn“ wieder und meine Leidenschaft -der Sport- halfen mir, wieder mit der Situation zurecht zu kommen und abzuschalten vom Stress, den wir durch den -mittlerweile wieder- Online-Unterricht hatten. Videokonferenzen und Arbeitsaufträge beschäftigten mich die ersten Stunden der Tage und den Rest des Tages hatte ich Zeit, an mir selbst zuarbeiten und unablässig Sport zu treiben.

Müsste ich die gesamte Corona-Zeit zusammenfassen würde ich sagen, dass ich viele Dinge gelernt habe. Auch wenn ich zwischenzeitlich schulische Aktivitäten sehr vernachlässigt habe, habe ich erkannt, dass es wichtig ist sich damit zu beschäftigen und die Zeit sinnvoll zu nutzen.

Auch über mentale und physische Gesundheit hatte ich mir Wissen angeeignet. Die ersten Monate der Situation war um einiges anstrengender als ich es erwartet habe, doch ich habe erkannt, wie wichtig es ist, an sich selbst zuarbeiten, etwas für sich zu tun und in erster Linie an mich selbst zu denken. Und das ist meine persönliche Moral der Zeit!  (16 Jahre)

„Natürlich könnte ich mir viele andere Möglichkeiten vorstellen, meine Jugend zu verbringen, als zu Hause festzusitzen. Man vermisst es einfach, jeden Tag zur Schule zu gehen, sich mit Freunden zu treffen und shoppen oder ins Kino zu gehen. Früher war ich erleichtert, wenn ich mich nach einem langen, anstrengenden Tag endlich ins Bett fallen lassen konnte und wünschte mir ich könnte für immer unter meiner warmen Decke liegen bleiben. Die letzten Monate habe ich ausschließlich in einem Zimmer hauptsächlich in meinem Bett verbracht und wünschte mir nichts mehr als meinen alten stressigen Alltag zurück. Früher wünschte ich mir an besonders nervigen Tagen, ich seie krank, damit ich nicht in die Schule müsse. In letzter Zeit wollte ich nichts mehr als wieder normal in die Schule zu gehen. Früher hatte ich an manchen Tagen überhaupt keine Motivation um zum Training zu gehen, aber in den letzten Wochen wollte ich nichts mehr als das. Wenn ich jetzt Rückblicke von meinen Fotos von vor ein paar Jahren sehe, wünsche ich mir nichts mehr, als dass alles wieder so wird wie früher und es macht mich richtig nostalgisch diese Fotos zu sehen. Was ich damit sagen will ist, dass ich gerade durch Corona gemerkt habe, wie wichtig soziale Kontakte und Familie sind, wie glücklich ich mich für Sachen, die ich früher als selbstverständlich angesehen habe, schätzen kann und wie wichtig es ist, dass man die kleinen Dinge wertschätzt.“  (15 Jahre)